Ein neuer Küchenchef, ein alter Garten: Im Hotel Bon Rivage in La Tour-de-Peilz, wo der Genfersee vor dem Haus glitzert, hat Jérémie Cordier am 1. April 2025 die Verantwortung am Herd übernommen. Seine kulinarischen Wurzeln liegen im Terroir, das ihn umgibt. Er kocht mit dem, was Natur und lokale Produzenten im Rhythmus der Jahreszeiten bereitstellen.
Prägend waren sein Einstieg in eine professionelle Küche, die Entdeckung der Sternegastronomie und vor allem der Wechsel in die Schweiz nach Pont de Brent zu Stéphane Decotterd. Diese Station hat seine heutige Sicht aufs Kochen geformt. Seine Handschrift beschreibt Jérémie Cordier als «lokal, ehrlich und engagiert». Er sucht die Nähe zu Produzenten und Handwerksbetrieben der Region, aus denen echte Beziehungen entstehen. Jedes Produkt wird mit Respekt verarbeitet, mit dem Ziel, die beste Art zu finden, es zur Geltung zu bringen, ohne es zu verfremden. Geschmack und Herkunft sollen sprechen.
Im Hotel Bon Rivage ist der Garten dafür zentraler Pfeiler. Er inspiriert und strukturiert die Karte. In der Sommerzeit ist das Restaurant bei Gemüse und Früchten nahezu autark. Morgens grüne Bohnen zu ernten und sie mittags zu servieren, ist für Jérémie Cordier ein seltenes Glück und gibt dem Ansatz Sinn.
Damit aus Ernte Menü wird, braucht es Abstimmung. Jérémie Cordier ist kein Gärtner, aber mit César Lopez Palacios tauscht er sich täglich aus. Was wächst gerade, was ist bald erntereif, was wäre es wert, für die Küche gezielt zu pflanzen oder auszuprobieren? Diese Teamarbeit zwischen Erde und Küche lebt von Dialog und Voraussicht.
Saisonalität ist für ihn keine Notwendigkeit, sondern Überzeugung und der Kern des Kochberufs. Im Garten spazieren, Kräuter riechen, ein frisch gepflücktes Gemüse oder Obst probieren: Die Kreativität entsteht aus dieser direkten Verbindung zum Lebendigen. «Ehrlich gesagt ist alles bemerkenswert», meint er. Und manchmal überrascht der Garten sogar das Team. Dieses Jahr sind Melonen und Wassermelonen gelungen – perfekt reif und sehr süss. Einfache Produkte, aber von aussergewöhnlicher Qualität, die Gäste und Mitarbeitende begeistert.

Wer auf der Restaurantterrasse sitzt, erlebt die Nähe unmittelbar. Sie liegt direkt am Garten, die Produkte wachsen praktisch vor den Augen. Das Serviceteam nimmt sich Zeit zu erklären und den Austausch zu pflegen. Dieses Eintauchen wird durch die hervorragende Arbeit des Serviceteams verstärkt, das die Verbindung zum Garten vermittelt. So findet das Erlebnis auf dem Teller statt und im Gespräch.
