Beim Grandhotel Giessbach ist ein leises, aber kraftvolles Zeichen gesetzt worden. Rund 50 Hektaren Waldlandschaft tragen neu das offizielle Label «Naturwaldreservat».

Möglich wurde dies durch das Zusammenspiel der Stiftung Giessbach, der Gemeinden Brienz und Iseltwald sowie der kantonalen Fachstellen. Gemeinsam haben sie ein Stück Schweizer Naturschutzgeschichte geschrieben und einen Raum gesichert, in dem die Natur künftig weitgehend sich selbst überlassen bleibt.

Der Entscheid des Amts für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern würdigt nicht nur die aussergewöhnliche ökologische Vielfalt des Giessbachwaldes, sondern auch einen Weg, der hier seit Jahrzehnten mit Konsequenz beschritten wird. Unter alten Baumriesen, zwischen Farnen, Moosen und Felsen durfte der Wald schon lange wachsen, altern und vergehen. Das neue Label verleiht dieser Haltung nun einen offiziellen Rahmen und weitet sie auf ein zusammen hängendes Gebiet aus.

Im Naturwaldreservat gilt ein einfaches Prinzip. Eingriffe erfolgen nur dort, wo sie aus Sicherheitsgründen unvermeidbar sind. Umgestürzte Bäume bleiben liegen, Totholz wird nicht entfernt. Es bietet Lebensraum für seltene Pilze, Flechten, Insekten und Vögel. Natürliche Vernetzungskorridore entstehen, Böden können Wasser und Kohlenstoff speichern, Kreisläufe schliessen sich von selbst. Der Wald wird zum Lehrmeister für Geduld und Balance. Dass dieses Schutzgebiet heute Realität ist, verdankt sich auch der Bereitschaft der umliegenden Gemeinden, ihre Flächen einzubringen. So entstand ein Refugium, das weit über seine Grenzen hinauswirkt. In einer Zeit, in der Wälder weltweit unter Druck stehen, wird der Giessbachwald zum Symbol dafür, was möglich ist, wenn Verantwortung geteilt wird.

Naturwaldreservat

Wer diesen Ort bewusst erleben möchte, findet im Naturpark Giessbach Angebote wie Wald- oder Yoga-Retreats. Sie laden dazu ein, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen und die Zusammenhänge eines intakten Ökosystems zu begreifen. Informationstafeln des Kantons Bern vertiefen dieses Wissen und machen den Wald auch zu einem Ort des Lernens.

Der Giessbachwald umrahmt die historischen Bauten und Wasserfälle wie ein stiller Hüter. Er erzählt von Kooperation, von Weitsicht und von der Erkenntnis, dass der grösste Reichtum oft dort liegt, wo wir nichts tun müssen, ausser ihn zu schützen.

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